Eindrücke von Olmos (von Tanja Graf)


Ehemalige Gefangene auf der Granja
(ausser vorne links: Daniel Graf, Projektkoordinator Agape / 
vorne Mitte: Daniel Tejeda, Leiter Granja)


Im Herbst 2009 hatte ich die Gelegenheit, mit meinem Vater nach Bolivien und Argentinien zu reisen. In Argentinien besuchten wir unter anderem auch das Hochsicherheitsgefängnis Olmos. Zurzeit beherbergt das Gefängnis ca. 1800 Sträflinge, die Hälfte davon sind Christen.


Das Hochsicherheitsgefängnis Unidad 1 in Olmos

Diese kamen nicht als Christen ins Gefängnis, sondern änderten dort ihr Leben. Vor ein paar Jahren noch bestimmte die Gewalt das Zusammenleben der Häftlinge. Schlägereien, Vergewaltigungen, Revolten und Morde waren an der Tagesordnung. Die Gefängnisaufseher hatten das Gefängnis nicht mehr im Griff. Heute braucht es nur noch einen Bruchteil der Aufseher, die ganze Situation hat sich radikal verändert.


Auf diesem Bauernhof (Granja) erhalten ehemalige
Gefangene Arbeit und ein Dach über dem Kopf.


Tanja auf der Granja

Zusammen mit Juan Zuccarelli, dem Mann, der die ganze Gefängnisarbeit begonnen hatte, erreichten wir das Gefängnis. Unsere Pässe und die Fotoausrüstung mussten wir abgeben. Wir durchquerten den Innenhof und betraten nun die katholische Kirche, den grössten Versammlungsraum des Gefängnisses, und setzten uns auf einfache Holzbänke. Nach und nach kamen immer mehr Gefangene herein. Der Raum füllte sich mit Räubern, Mördern und Vergewaltigern.

Doch nur noch einige Narben und Tattoos in ihren Gesichtern erinnern an ihre schreckliche Vergangenheit. Ihre Augen leuchten, strahlen Frieden und Liebe aus. Obwohl ich die einzige Frau im Raum war, fühlte ich mich sicher und wohl. Gottes starke Gegenwart erfüllte den ganzen Saal, als die Männer zu singen begannen. Voller Leidenschaft dankten sie Jesus Christus dafür, dass er sie befreit hatte, dass er alles Schlechte, das sie je in ihrem Leben getan hatten, ihnen nicht mehr anrechnet. Einige begannen sogar zu weinen.


Empfangsraum Hochsicherheitsgefängnis Olmos, Unidad1.
(Von links nach rechts: Daniel Tejeda, Leiter Granja /
Gefängnisdirektor / Daniel Graf / Tanja Graf)

Tief berührt verliessen wir den Gottesdienst. Ich frage mich, wieso es den Menschen meistens zuerst schlecht gehen muss, bis sie sich Gedanken über Gott machen und seine Hilfe annehmen wollen. Und wenn Jesus sogar aus den verrütteten Leben dieser Männer etwas Gutes machen kann, kann er es doch aus jedem Leben.